Schleudertrauma gratis

Vor einigen Stunden bin ich mit dem Nachtbus hier in Delhi angekommen. Mein Flieger zurück nach Kathmandu geht zwar erst am späten Nachmittag, aber ich habe absolut keine Lust, mir Irgendetwas auf die Schnelle in Delhi anzuschauen. Stattdessen habe ich mir ein ruhiges Plätzchen im Flughafen gesucht und lasse die Erlebnisse der letzten Tage nochmal Revue passieren. Es ist soviel Aufregendes und Wunderbares in dieser Zeit passiert, dass ich manchmal gedacht habe, ich träume.

Allein schon die Anreise nach Dharamshala war spektakulär, jedoch alles andere als traumhaft. Ich hatte mich ganz bewußt für einen Nachtbus entschieden, weil ich gehofft hatte, die 8stündige Fahrt schlafend zu verbringen und so ausgeruht mein Ziel zu erreichen. Schon beim Einsteigen war mir klar, dass dies nur ein unerfüllter Wunsch bleiben würde. Das Cockpit erinnerte an einen Jeep aus der Nachkriegszeit. Offenliegende Kabel und mit Klebeband fixierte Schalter machten nicht gerade den für diese Strecke nötigen vertrauenerweckenden Eindruck. Die Sitze selbst waren zerschlissen, die Lehnen der Sitze in einer unbequemen Position, die sich auch nicht verstellen lies.

Unvorstellbar, welch Töne ein Bus von sich geben kann. Knattern und rumpeln, qietschen und fauchen, dröhnen und knallen… An Schlaf war absolut nicht zu denken. Die Strecke von Shimla nach Dharamshala verläuft nahezu ausnahmslos über Serpentinen, knapp 2000 Höhenmeter bergab. Und der Fahrer gab sein Bestes! Mit Karacho wurde jedes Schlagloch gemeistert, in beängstigender Schräglage jede Haarnadelkurve. Und die zahlreichen Notbremsungen, weil mal wieder eine heilige Kuh, eine Horde Affen oder ein anderes Vehikel  den Weg kreuzte, sorgten dafür, dass man aus dem Sitz rutschte. Die Dunkelheit der Nacht verbarg gnädig die Abgründe, an denen wir haarscharf entlang rasten.

Bereits nach der ersten Stunde rebellierte mein Magen und das Schwindelgefühl nahm stetig zu. Durch das Holpern öffneten sich immer wieder die Fester, so dass es im Bus drinnen eiskalt und der Fahrtwind zu spüren war. Ich hatte Fleecejacke und Jeansjacke, Schal und Wolltuch um mich herum gewickelt, um der Kälte zu trotzen, ohne Erfolg. Acht Stunden lang! Ich bin ja gerne bereit, für die Realisierung meiner Träume Opfer zu bringen… aber das war schon echt heftig! Hoffentlich weiß das der Dalai Lama zu schätzen!

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