Lebenshilfe und Lebensfreude

Hatte ich mich richtig vorbereitet? Werden meine Zuhörer durch die vielen Informationen nicht überfordert sein? Habe ich die richtigen Themen ausgewählt? Fragen über Fragen schwirrten durch meinen Kopf, als ich am vergangenen Freitag unterwegs nach Neustadt war. Es sollte ein ganz besonderer Vortrag vor ganz besonderen  Gästen werden.

Als wir dann am Wohnheim der ‚Lebenshilfe e.V.‘ ankamen und bereits die ersten Bewohner uns vor der Tür begrüßten, waren meine Aufregung und Unsicherheit verflogen.  Mein nepalesisches Gewand weckte besonders das Interesse der jungen Frauen, so dass wir ganz schnell einen guten Draht zueinander fanden. Die Männer interessierten sich eher für die Technik, die Tony anschleppte.

Ines, eine liebe Bekannte, die hier schon mehrere Jahre arbeitet, hatte den Raum liebevoll vorbereitet. Nun war es an uns, diesem Raum nepalesisches Flair zu verleihen. Nepalfahne und Gebetsfahnen, Papierlampen und bunte Stoffe, Räucherstäbchen und Sherpa-Musik…

Ich traute meinen Augen nicht, als auf einmal Mandy und Frank, liebe Freunde von mir, eintraten. Sie waren extra angereist, um mich zu überraschen und vor dem Abflug nochmal zu sehen. Wahnsinn!!! Ich hatte vor Freude gleich Pipi in den Augen. Die beiden hatten Kuchen und Getränke mitgebracht und bauten ein kleines Buffet auf. Im Gang hörten wir schon aufgeregtes Geschnatter und Füssescharren.  Es wurde Zeit, die Tür zu öffnen und mit dem Einlass zu beginnen.

Bei jedem meiner Nepal-Vorträge begrüße ich meine Gäste ganz landestypisch und überreiche einem davon, stellvertretend für alle, eine Kata. Dieses Mal bekam jeder der knapp 30 Gäste solche eine Ehrenschleife umgelegt. Ich habe ihnen erklärt, dass dieses weiße Stück Stoff besonders Glück bringt, wenn man es außen an seine Wohnungstür hängt.

Und dann ging es richtig los! Der Landeanflug auf Lukla, die heiligen Kühe in den Gassen von Kathmandu,  die Situation im Waisenhaus… all diese Geschichten wurden von meinen Gästen voller Neugier aufgenommen. Mehr als einmal überraschten sie mich mit ihrem Wissen über dieses so ferne Land. Maria hatte es mein Sari angetan, sie ließ sich nur allzu gern von mir einwickeln. Der Höhepunkt war zweifelsohne, als wir alle gemeinsam zu zünftiger Sherpa-Musik tanzten.

Diese so liebenswerten Menschen haben mich mit ihrem Interesse und ihrer Aufgeschlossenheit total begeistert! Sie wünschten mir viel Glück und Kraft für meine nächste Reise und überreichten mir einen Umschlag mit Spenden, die sie gesammelt hatten. Das hat mich so sehr gerührt, vor allem da ich weiß, dass diese Menschen nur sehr wenig Geld zur Verfügung haben.

Ich musste ihnen versprechen, so bald es geht wiederzukommen und ihnen von meinen Reisen zu erzählen. Nach der Veranstaltung durften wir noch die Wohnanlage besichtigen. Voller Stolz luden uns Kerstin und Jens in ihre Zimmer ein und zeigten uns ihr kleines Reich. Und an den Türklinken vieler Bewohner hingen schon die Glücksschleifen…

Meine Motivation für diese Aktion war darin begründet, den Menschen mit Behinderung einen ganz speziellen Blick in ‚meine‘  Welt zu gewähren und ihnen einfach einen schönen Tag zu schenken. Beschenkt wurde aber letztendlich ich selber – mit Unvoreingenommenheit und Offenheit, Herzlichkeit und Lebensfreude!

DANKE von Herzen und auf ein baldiges WIEDERSEHN!

 

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