Prosit Neujahr!

Allein in den vergangenen 12 Monaten habe ich 4 mal Jahreswechsel gefeiert oder miterlebt.

Zum Beispiel am 19. Februar zum tibetischen Neujahrsfest ‚Losar‘, welches von vielen Buddhisten und den tibetischen Flüchtlingen gefeiert wird. Dieses ist der 1. Tag des Jahres 2142 im Varayana-Kalender, welcher mit der Inthronisierung des ersten tibetischen Königs 127 Jahre vor unserer Zeitrechnung beginnt. Viele Sherpas, die ja ursprünglich aus Tibet stammen, wissen nicht, wann genau sie geboren sind, da es keinerlei schriftliche Aufzeichnungen gibt. Also geben diese auf Behörden stets diesen Tag als ihren Geburtstag an.

Je nachdem, nach welchem Kalender man rechnet, begann am 13. April das Jahr 1937 im Shaka-Zeitalter und am 14. das Jahr 2072 des Bikram Sambat, des offiziellen nepalesischen Kalenders. Da verliert man schnell mal den Überblick und weil die Nepalesen ein recht feierfreudiges Volk sind, wird an beiden Tagen tüchtig gefeiert – am 13. das hinduistische Sonnenneujahr und am Tag darauf das große Nepalesische Neujahrsfest.

Im November findet eh schon über mehrere Tage verteilt der Höhepunkt aller nepalesischen Feste – Tihar- statt. Da kommt es auf einen Feiertag mehr oder weniger nicht mehr drauf an. Und so feierte man am 12. November lautstark das Neujahrsfest der Newar, einer bedeutenden Kaste, die als Ureinwohner des Kathmandutals gelten. Zu dem traditionellen Blumen- und Lichterschmuck anlässlich des Tihar-Festes werden auf vielen öffentlichen Plätzen riesige Mandalas ausgelegt. Da kann es schon mal passieren, dass mehrere Tage lang eine wichtige Kreuzung gesperrt wird, damit die damit beauftragten Künstler ein mehrere Meter Durchmesser umfassendes Sandbild erschaffen können.

Und vor 3 Tagen begann letztendlich das Jahr 2016 im Gregorianischen Kalender – ein Schaltjahr, wohlgemerkt!

Aber das ist noch nicht alles. Meine Freunde in Bali feiern Ende März ihr Neujahrsfest ‚Nyepi‘, ebenfalls nach dem hinduistischen Shaka-Kalender. Da geht es zu wie beim Kölner Karneval! Riesige gruselige Figuren aus Pappmaché, welche Dämonen und Geister darstellen, werden mit viel Radau durch die Straßen getragen und am Ende der Umzüge verbrannt. Danach gibt es eine strenge 24stündige Ausgangsperre, damit die nun umhergeisternden Seelen der Dämonen die Menschen nicht mehr heimsuchen können. Selbst Touristen wird diese Ausgangssperre auferlegt, so dass die Insel tatsächlich einen Tag lang wie ausgestorben wirkt.

Als ich vor einigen Jahren in Thailand war, konnte ich das Chinesische Neujahrsfest, welches stets zwischen Ende Januar und Mitte Februar stattfindet, miterleben. In China-Town waren an diesem Tag sämtliche Restaurants geschlossen, da die Betreiber das ‚Jahr des Metall-Hasen‘ begrüßt haben. Bunte Papierlaternen und viele ziemlich kitschige Hasenfiguren schmückten das ganze Viertel, durch das lautstark Musik- und Tanzgruppen zogen.

Das thailändische Neujahrsfest ‚Songkran‘, dessen Zeitpunkt früher auf die Tag- und Nachtgleiche gelegt war, findet nun parallel zum nepalesischen Jahresbeginn im April statt. Ähnlich dem hinduistischen Holi-Fest ist das Songkran-Fest ebenso feucht-fröhlich. Dabei spielen Wasser und mittlerweile Alkohol die Hauptrolle. Während sich früher die Gläubigen zu rituellen Waschungen mit Wasser begossen haben, finden heutzutage die reinsten Wasserschlachten statt. Und der exzessive Alkoholkonsum fordert jährlich tausende Verletzte und so manchen Toten.

So bunt und vielfältig die unterschiedlichsten Völkergruppen auf der ganzen Welt sind, so sind auch ihre Feste und Rituale und auch Zeitrechnungen. Ich finde es jedes Mal faszinierend, von diesen zu hören oder sie sogar hautnah mitzuerleben.

Mal sehen, wohin mich dieses Jahr meine Reisen führen werden… Eins ist sicher, es wird ein abenteuerliches, aufregendes und spannendes Jahr. Und das wünsche ich Euch ebenso von ganzen Herzen, dazu beste Gesundheit um Eure Ziele zu erreichen!

Prosit Neujahr!

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