Der Maharadscha und die Himalaya Queen

Zur rechten Zeit am richtigen Ort sein ist ganz wichtig. Aber dann auch noch die richtigen Leute treffen, das ist wie ein Sechser im Lotto!

Gleich nach meiner Ankunft in Neu-Delhi bin ich zum großen Bahnhof, um mich nach den Zügen nach Kalka, meiner nächsten Tagesetappe, zu erkundigen und ggf. schon mal ein Ticket zu erwerben.  Dort ging es zu wie auf nem Taubenschlag. Ich konnte in diesem Chaos absolut nicht durchblicken und hab dann einfach einen kompetent ausschauenden Mann gefragt, wo ich denn ein Ticket nach Kalka erwerben kann. Dieser meinte nur, dass an den hiesigen Schaltern nur Stehplätze verkauft werden. Erst dachte ich, der verscheißert mich, aber dann winkte er mich zur Seite und schrieb mir eine Adresse auf. Ich solle dorthin fahren und könnte dort das Ticket buchen. Er riet mir davon ab, gleich hinterm Bahnhof ein Zimmer zu nehmen, da diese Gegend nicht unbedingt sicher wäre. Die Leute im Ticketbüro würden mir auch da weiterhelfen. Zu guter Letzt winkte er mir noch ein TukTuk heran, instruierte den Fahrer, wo er mich abzuliefern hat und handelte noch einen guten Preis für die Fahrt aus.

Bin ich hier in Indien oder im Märchenland? Ich konnte es kaum glauben, dass es mir so leicht gemacht wird. Im Ticket-Büro empfing mich der Maharadscha höchstpersönlich. Naja, nicht wirklich, aber ich konnte mir den Kerl gut in einem güldenen Gewand auf einem mit Pfauenfedern geschmückten Thron vorstellen. Verdammt, sah der gut aus… und die Augen erst! Ich bin ja weiß Gott schon ziemlich abgehärtet, aber dem konnte ich nicht in die Augen gucken, ohne nervös zu werden. Und das wußte der Kerl auch! Ich hatte kaum Platz genomen, da fing der auch schon mit flirten an. Na gut, das Spiel kann man auch zu zweit spielen.

Ich wurde aber recht schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt, als ich erfuhr, dass es keine Möglichkeit gibt, morgen nach Kalka zu reisen. Weder im Bus noch in den beiden Zügen gab es einen freien Platz. Bilal bot mir an, mich auf die Warteliste setzen zu lassen und zu hoffen, dass ein Reisender das Ticket storniert. Das war mir doch zu riskant, da die Chance wirklich recht gering ist, zumal schon etliche potentielle Passagiere auf der Warteliste standen.

Irgendwie muss ich aber morgen noch Kalka erreichen, da ich am Sonntag mit der ‚Himalaya Queen‘, der berühmten Bergbahn, nach Shimla reisen will. Das war natürlich das Stichwort für den Maharadscha und er nannte mich fortan ‚seine‘ Himalaya Queen. Es kostete mich zwar ein paar schmachtende Blicke und das Versprechen, mit ihm mal auszugehn, aber es gibt halt Dinge im Leben, die sind ein Opfer wert. Und bis ich wieder in Delhi zurückbin, hat er seinen Charme sicher schon an die Nächste versprüht und mein Versprechen vergessen.

Sei es, wie es sei! Morgen früh werde ich in einer weißen klimatisierten Limousine vor dem Hotel abgeholt und standesgemäß, wie es sich für eine Queen gehört, nach Kalka kutschiert.

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