Ankommen

Ich sitze gerade an einem meiner absoluten Lieblingsplätze in Kathmandu, auf der Dachterrasse des Shangri-La Boutique Hotels. Vor mir steht ein Glas Melonensaft, eine Tasse grüner Tee und ein Teller mit Spalten frischer Papaya und Melone. Gesünder kann ein Tag nicht beginnen. Ich bin gespannt, was mir Dinesh in den nächsten Minuten servieren wird. Es ist jeden Tag eine Überraschung, aber es schmeckt jedes Mal köstlich!

Die üppigen Pflanzen hier auf dem Dach stehen in voller Blüte. Bougainvilleas, Hibiskus und einige, deren Namen ich nicht kenne. Im Hintergrund klingt leise eine traditionelle Melodie. Ich bin froh, dass der Himmel zum größten Teil bedeckt ist. Das hält die Sonne davon ab, gnadenlos zu brennen. Es ist auch so schon warm genug. Okay, 28 Grad sind an der Ostsee perfekt, wenn stets ein frischer Wind vom Meer für Abkühlung sorgt. Hier in den engen Gassen von Kathmandu steht die Luft still. Und selbst auf den typischen Dachterrtassen der Herbergen gibt es keine Abkühlung, wehen doch die heißen Dämpfe der Garküchen bis hier hoch.

Aber was will ich mich beschweren?! Gerade die Garküchen tragen ihren Teil dazu bei, dass es mir hier so gut geht. Eben brachte mir Dinesh, der Kellner des Hauses, meinen Frühstücksteller. Spiegelei, Bohnencurry und zwei gebackene Kartoffelspalten. Das darf ich nicht kalt werden lassen…

… yammi!!!! War das lecker! Zwei Scheiben Brot waren eindeutig zu viel für mich und so habe ich es mit den beiden Hauskatzen geteilt. Nun haben wir alle eine gute Grundlage für den beginnenden Tag in unseren Bäuchen.

Apropos Tag – vor fast genau 24 Stunden bin ich auf dem Flughafen in Kathmandu gelandet, zum mittlerweile 8. Mal! Noch immer steige ich voller Spannung und Vorfreude aus dem Flugzeug, noch immer kullern ein paar Tränchen, wenn ich die ersten Schritte auf nepalesischem Boden zur Ankuftshalle gehe. Es ist wie Heimkommen!!!

Die Einreiseformalitäten sind zur Routine geworden. Was mich danach erwartet, ist alles andere als Routine. Ich bin froh, dass mein Koffer – nicht wie bei den beiden letzten Reisen – mit mir zusammen angekommen ist. Obwohl ich diesmal gut vorbereitet war und den Bedarf für die ersten beiden Tage im Handgepäck hatte, erspart es mir doch unnötige Fahrerei. Ein paar Flughafenmitarbeiter haben mich wiedererkannt und grüßen mich. Sie haben auch schon mein Hotel informiert, dass der Flieger gelandet ist und der Fahrer zur Abholung starten kann.

Die für nepalesische Verhältnisse leeren Straßen verwundern mich. Ich frage Shyam, den Fahrer, ob es wieder eine Petrol-Krise gibt oder die Spritpreise gestiegen sind. Das würde ja auch meine Pläne ganz schön durcheinander bringen. Zum Glück gibt es einen anderen Grund. Die zugezogenen Bewohner von Kathmandu sind allesamt unterwegs zu ihren Familien in den Dörfern, um gemeinsam das Dashain-Fest zu feiern.

Im Hotel werde ich wie ein Familienmitglied begrüßt. Normalerweise sind die Zimmer erst ab 12 Uhr frei. Ich darf mein Zimmer sofort beziehen, damit ich mich von der langen Anreise erholen kann. Ich revanchiere mich bei dem Personal mit einer Runde ‚RitterSport‘. Nach einem ausgiebigen Nickerchen und einer erfrischenden Dusche will ich bei Tashi mein Moped abholen, damit ich flexibel und beweglich bin. Seitdem die Regierung die alten Taxis, wo man für nen schmalen Taler mitgenommen wurde, aus dem Verkehr gezogen hat, ist Taxifahren teurer geworden.

Tashi teilt mir mit, dass mein Moped nicht angesprungen ist und er es zu einem Mechaniker gebracht hat. Dieser hat die Werkstatt jetzt erstmal für eine Woche anlässlich der Feiertage geschlossen. Das ist nicht schön, aber halt auch nicht zu ändern. Es wäre müßig, sich darüber zu ärgern. Also klapper ich zu Fuß die Hotels ab, die ich für meine bald anreisende Gruppe gebucht habe. Da sich in Nepal in sehr kurzer Zeit sehr viel ändern kann, will ich auf Nummer sicher gehen. Direkt neben dem Ambassador Garden wurde ein 5stöckiges Haus eingerissen. Durch die Räumarbeiten hängt ständig eine dicke Staubwolke über dem Platz. Deshalb hab ich nach einer Alternative gesucht und ein paar Straßen weiter auch gefunden.

Als ich mit dem Hotelmanager über die Konditionen gesprochen habe, kam ein großgewachsener Mann dazu. Den kennst du doch irgendwoher, dachte ich. Und schon fiel es mir ein. „Dirk?“ fragte ich noch etwas zögerlich. „Michi!“ kam es gleichzeitig aus seinem Mund. Wir hatten uns vorher noch nie im realen Leben gesehen. Wir kannten uns nur über Facebook, wo wir sporadisch unsere Aktivitäten verfolgen. Dirk ist ein ganz verrückter Kerl und passionierter Radler. Er betreibt in den Sommermonaten eine Mountainbikeschule in der Nähe von Stuttgart. Und weil er offensichtlich vom Radeln nicht genug kriegen kann, ist er auf diese Weise im Winterhalbjahr durch Asien unterwegs. Und was er für Touren unternimmt! Da kann ich nur den Hut ziehen! Wen es interessiert, der kann hier gern mal bissel auf Dirks Seite stöbern.

Wir hatten so viele Fragen aneinander, tauschten unsere Erfahrungen aus, inspirierten und motivierten uns gegenseitig. Irgendwann zogen wir dann in ein benachbartes Gartenrestaurant, wo wir den Abend bei Gorkha-Bier und leckeren Momos ausklingen ließen. Dass zwischen den üppigen Sträuchern und Büschen gar wundersame Tiere umherhuschten, war mir egal.

Und dennoch frage ich mich jetzt noch: Waren das noch unnatürlich große Mäuse oder schon kleine Ratten?

 

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