Mehr als nur Zeichnen

 

Am Sonntag hatte ich mich zu einer weiteren Beratung mit Suman und Dinesh von der Bal Bikas Schule getroffen, um die 3 Schüler auszuwählen, denen durch eure Spenden eine Schulpatenschaft für das im April beginnende Schuljahr ermöglicht werden kann. Wir haben auch darüber gesprochen, wie wir für die Zukunft langfristig Schulpatenschaften sinnvoll organisieren und vor allem realisieren können. Da sind so viele Ideen zusammengekommen, dass ich sie erstmal in Ruhe sortieren und dokumentieren muss, wenn ich zurück in Deutschland bin. Die wertvolle Zeit hier vor Ort möchte ich lieber für Recherchen und Gespräche nutzen.

Während unserer Besprechung war aus dem Nebenraum Papierrascheln, Stühlerücken und aufgeregtes Füßescharren zu hören, jedoch keinerlei Stimmen. Suman erklärte mir, dass gerade die ‚Drowing Competition‘, der Mal- und Zeichenwettbewerb für die Klassen 2-9 läuft. Aus jeder Klassenstufe waren zwei Schüler für diesen Wettbewerb nominiert worden.

Die Malerei hat in der nepalesischen Kultur einen festen Platz und eine lange Geschichte. Zum einen gibt es die buddhitische Thanka-Malerei, die durch die tibetischen Flüchtlinge ins Land getragen wurde und mich persönlich am meisten fasziniert. Zum anderen gibt es die traditionelle Malerei, wo vor allem Landschaftsmotive und Porträts eine große Rolle spielen. Wann immer ich die Zeit und Gelegenheit habe, bummel ich durch die zahlreichen Galerien in den Gassen Kathmandus, um mich an dieser Kunst zu erfreuen.

Gerade für die Kinder, deren schulische Leistungen nicht ganz so gut sind, um einen lukrativen Beruf zu erlernen, ist Kunsthandwerk eine gute Möglichkeit, sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Deshalb begrüße ich es sehr, dass die Bal Bikas Schule neben dem regulären Unterricht auch andere Talente fördert, um so den Kindern einen Weg zu zeigen und den Start in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

In einer kurzen Pause schlich ich mich in den Zeichenraum und schaute den Kindern über die Schultern. Was ich dort gesehen habe, hat mich tief beeindruckt. Selbst die Jüngeren unter den kleinen Künstlern malten mit einer Ernsthaftigkeit und einem großen Talent. Erfreut stellte ich fest, dass die Farben und Pinsel, die ich aus Deutschland mitgebracht hatte, schon gute Verwendung gefunden hatten.

Ich hatte mich nach dem Thema dieses Wettbewerbs erkundigt und war erstaunt darüber, dass die Kinder freie Wahl hatten und zeichnen konnten, was ihnen gefällt und sie bewegt. Erstaunt, da ich aufgrund der Ähnlichkeit der Zeichnungen an eine Themenvorgabe gedacht hatte. Der Großteil der Zeichnungen beschäftigte sich nämlich mit Natur und Umwelt. Ich schaute mir die Bilder etwas genauer an und entdeckte viele Botschaften, die mich zum Nachdenken brachten.

Auf einem Bild hatte ein Junge einen Baum gezeichnet, der in der Mitte geteilt war. Eine Hälfte des Bildes ist in tristem Schwarz-Weiss gemalt, die andere Hälfte in leuchtenden Farben. Darunter ist zu lesen, dass nur durch den Schutz der Umwelt die Natur erblühen kann.

Auf einem anderen Bild sieht man eine Weltkugel, die von zwei Händen getragen wird, die deren Schutz symbolisieren sollen. Auch Brücken sind ein großes Thema auf den Gemälden. Hier in Nepal sind noch immer viele Bergdörfer von der Außenwelt abgeschnitten, da es einfach an Brücken mangelt, die die wilden Bergflüsse und tiefe Schluchten überspannen. Das hat mich wirklich sehr bewegt!

Es stimmt mich optimistisch, wenn ich sehe, wie die jüngste Generation dieses Landes sich mit deren Zukunft beschäftigt. Schon allein das ist ein Grund, weshalb ich mich für diese Kinder einsetze und sie auch weiterhin, mit eurer Hilfe, auf ihrem Weg unterstützen werde.

Ein guter Grund, oder?

 

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